ÖSTERREICH: VOLKSBEFRAGUNG VOLKABSTIMMUNG SCHWEIZ: VOLKSINITIATIVE VOLKSABSTIMMUNG ABWAHLEN
DEUTSCHLAND: PRO RELI UNSER WASSER EU: BÜRGERBEGEHREN SLOWAKEI: MATTE BETEILIGUNG
| "Deine Rede sei ja, ja, nein, nein! Was darüber ist, das ist vom Übel." |
DIREKTE DEMOKRATIE |
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MATTHÄUS, Kapitel 5, Vers 37 |
| Sowohl auf Bundesebene als
auch in den Bundesländern gibt es drei Instrumente der direkten
Demokratie:
1. Volksbegehren: Die Einleitung eines bundesweiten
Volkbegehrens muss beim Innenministerium beantragt werden. Dazu
sind Unterstützungserklärungen von 8.032 Wahlberechtigten (= 1
Promille der österreichischen Gesamtbevölkerung) notwendig. Für das
Sammeln der Unterstützungserklärungen bleibt den Initianten ein Zeitraum
von vier Monaten. Weitere Möglichkeiten der Einleitung sind die Unterschriften von 8 Abgeordneten zum Nationalrat oder von je 4 Mitgliedern der Landtage dreier Länder. Das Volksbegehren muss als Gesetzesantrag formuliert sein. Wird das Volksbegehren nach einer einwöchigen Eintragungsfrist von mindestens 100.000 Wahlberechtigten oder mindestens je einem Sechstel der Stimmberechtigten dreier Länder unterschrieben, muss der Nationalrat diese Gesetzesinitiative beraten. Findet sich für das Begehren keine Mehrheit, ist der Gesetzesantrag abgelehnt. Manchmal lässt man Gras über die Sache wachsen und leitet den Antrag an einen Ausschuss weiter, wo er nach mehreren Monaten (höchstens vier) sanft entschlummert. Drei Vertreter des Volksbegehrens dürfen an den Ausschusssitzungen teilnehmen. Die Kosten für ein Volksbegehren betragen 2 Millionen Euro. Kosten und ev.
Kostenrückerstellung für die Antragsteller eines Volksbegehrens:
(Volksbegehrengesetz BGBl. 1973/344 und Anpassung lt. BGBl. Teil II/Nr.
128 vom 18. April 2011) Die Ergebnisse der bisherigen Volksbegehren: |
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Jahr |
Thema |
Eintragungen |
| 1964 | ORF-Reform | 832.353 |
| 1969 | Einführung der 40-Stunden-Woche | 889.659 |
| 1969 | Abschaffung der 13. Schulstufe | 339.407 |
| 1975 | Aufhebung der Fristenlösung (Schutz des menschlichen Lebens) | 895.665 |
| 1980 | Pro-Zwentendorf-Volksbegehren | 421.282 |
| 1980 | Anti-Zwentendorf-Volksbegehren | 147.016 |
| 1982 | Konferenzzentrum-Einsparungsgesetz | 1.361.562 |
| 1985 | Konrad-Lorenz-Volksbegehren (gegen Kraftwerk Hainburg) | 353.906 |
| 1985 | Für Verlängerung des Zivildienstes | 196.376 |
| 1985 | Für Durchführung einer Volksabstimmung gegen Abfangjäger (Draken) | 121.182 |
| 1986 | Anti-Draken-Volksbegehren im Bundesland Steiermark | 244.254 |
| 1987 | Anti-Privilegien-Volksbegehren | 250.697 |
| 1989 | Sicherung der Rundfunkfreiheit (gegen das ORF-Monopol) | 109.197 |
| 1991 | Für Volksabstimmung über EWR-Beitritt | 126.834 |
| 1993 | Volksbegehren "Österreich zuerst" | 416.531 |
| 1995 | Volksbegehren "Pro Motorrad" | 75.525 |
| 1996 | Tierschutz-Volksbegehren | 459.096 |
| 1996 | Neutralitäts-Volksbegehren | 358.156 |
| 1997 | Gentechnik-Volksbegehren | 1.225.790 |
| 1997 | Frauen-Volksbegehren | 644.665 |
| 1997 | Volksbegehren "Schilling-Volksabstimmung" | 253.949 |
| 1997 | Volksbegehren "Atomfreies Österreich" | 248.787 |
| 1999 | Familien-Volksbegehren | 183.154 |
| 2000 | Volksbegehren "Neue EU-Abstimmung" | 193.901 |
| 2001 | Bildungsoffensive- und Studiengebühren-Volksbegehren | 173.594 |
| 2002 | Volksbegehren "Veto gegen Temelin" | 914.973 |
| 2002 | Volksbegehren "Sozialstaat Österreich" | 717.102 |
| 2002 | Volksbegehren "Gegen Abfangjäger" | 620.000 |
| 2003 | Volksbegehren "Atomfreies Europa" | 132.000 |
| 2004 | Pensions-Volksbegehren | 627.530 |
| 2006 | EU-Volksbegehren (Text und Plakatbild unten) | 258.277 |
| 2009 | Stopp dem Postraub | 140.622 |
| 2011 | Raus aus EURATOM | 98.698 |
| 2011 | Bildungsvolksbegehren | 383.820 |
| 36. Volkbegehren .....? |
| EU-Volksbegehren im
Wortlaut: März 2006 Der Nationalrat möge durch Bundesverfassungsgesetz beschließen, 1. dass der Bestand der österreichischen Neutralität als Grundprinzip der Verfassung garantiert wird und 2. dass weder die Zustimmung zu einer EU-Verfassung 3. noch die Zustimmung zu einem allfälligen EU-Beitritt der Türkei ohne Zustimmung der österreichischen Bevölkerung in Volksabstimmungen Gesetzeskraft erlangt. |
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| Raus aus EURATOM:
März 2011 Die Initiative finanzierte die Zugbezeichnung (Abb. rechts) des täglich um 17:44 Uhr von Wien nach Salzburg verkehrenden ÖBB InterCity atomkraftfrei leben! Eintragungsfrist: 28. Feber bis 7. März 2011 |
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Bildungsvolksbegehren: Unterstützungserklärungen ~50.000 www.nichtsitzenbleiben.at Kirchenvolksbegehren: Unterstützungserklärungen abzugeben 15. März bis 15. Juli 2011 |
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VOLKSBEGEHREN |
3. - 10. Nov. |
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Auf Bundesebene muss sie sich auf eine Angelegenheit von gesamtösterreichischer Bedeutung beziehen und aus einer mit Ja oder Nein zu beantwortenden Frage bestehen. Eine Volksbefragung wird durch einen Beschluss des Nationalrates eingeleitet. Das Ergebnis einer Volksbefragung hat keine bindende Wirkung. Noch nie durchgeführt! Die Kosten für eine bundesweite Volksbefragung betragen 7,5 Millionen Euro. In jüngster Vergangenheit gab es eine Reihe von Volksbefragungen auf Gemeinde- und Landesebene. Eine Auswahl:
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Auf Bundesebene wird über ein vom Nationalrat bereits beschlossenes Gesetz oder die Absetzung des Bundespräsidenten abgestimmt. Bewirkt ein Gesetz die Gesamtänderung der Bundesverfassung, ist eine Volkabstimmung zwingend vorgeschrieben! Das Ergebnis einer Volksabstimmung ist bindend. Bisher gab es zwei Volksabstimmungen. Die erste 1978 über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf (Bevölkerung war dagegen), die zweite 1994 über den Beitritt Österreichs zur EU, betraf eine Verfassungsänderung (Bevölkerung stimmte dafür). Volksabstimmungsgesetz 1972 BGBl 79/1973, BGBl. I Nr. 13/2010, BGBl. Teil I Nr. 43/2011 vom 7. Juli 11. |
SCHWEIZ
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VOLKSINITIATIVE (in Ö. Volksbegehren) Auf Bundesebene sind die eigenhändigen Unterschriften von mindestens 100.000 Stimmberechtigten erforderlich, will man
Vom Zeitpunkt der Veröffentlichung des Textes
der Initiative im Bundesblatt bis zur Abgabe der
Unterschriftenlisten in der Bundeskanzlei haben die Betreiber der
Initiative 18 Monate Zeit. Am 26. Sep. 2011 hat der
Ständerat einem Antrag auf Ausarbeitung eines Gesetzes zugestimmt, das die
Offenlegung der Finanzierungsquellen im
Vorfeld von Volksabstimmungen verlangt. Auf
Bundesebene wurden im Zeitraum 1.1.1998 bis 31. 12. 2007
76 Volksinitiativen eingeleitet - 52
erreichten die erforderlichen Unterschriften. Eidgenössische Abstimmung am 24. Feber 2008
Abstimmung am 1. Juni 2008
Abstimmung am 30. November 2008
Abstimmung am 8. Februar 2009
Abstimmung am 17. Mai 2009
Abstimmung am 27. September 2009
Abstimmung am 29. November 2009
Abstimmung am 7. März 2010
Abstimmung am 26. September 2010
Abstimmung am 28. November 2010
Abstimmung am 11. März 2012
Vorschau:
Die Grünen brachten eine "Initiative für
menschenfreundlichere Fahrzeuge" auf den Weg. Sie sieht das Verbot von
Neuwagen mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von >250 Gramm / km oder einem
Gesamtgewicht von >2,2 t und einem Russpartikel-Ausstoß von >2,5 g / km.
Bereits zugelassene Fahrzeuge dürfen 100 km/h nicht überschreiten. In Solothurn wird eine Volksinitiative vorbereitet, die verhindern soll, dass in Zukunft Initiativen eingeleitet werden können, welche den Menschenrechten widersprechen. (Okt. 2010) Am 7. Juli 2011 reichte die SVP mehr als 110.000 beglaubigte Unterschriften für ihre Initiative "Volkswahl des Bundesrats" im Bundeshaus ein. Bis August 2011 hat die Interessengemeinschaft Freie Schweizer Wirte Zeit, Unterschriften für die Abschaffung der Rauchereinschränkungen im Gastronomiebereich zu sammeln. Eine Initiative der Grünliberalen (Start: Juni 2011) "Energie- statt Mehrwertsteuer" will die Mehrwertsteuer durch eine Steuer auf Nicht-Erneuerbare-Energien ersetzten. Zeitraum der Unterschriftensammlung bis Herbst 2012. Die Volksinitiative "Todesstrafe bei
Mord mit sexuellem Missbrauch" wird nach Veröffentlichung des
Initiativtextes im Bundesblatt versuchen die benötigten Unterschriften
zu bekommen. Das Verlangen kollidiert mit den Verpflichtungen der
Schweiz hinsichtlich Abschaffung der Todesstrafe entsprechend der
Europäischen Menschenrechtskonvention. |
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Die SVP will mit einer Volksinitiative - Titel: Gegen
Masseneinwanderung - eine Beschränkung des Ausländeranteils in der
Schweiz bzw. der Zuwanderung durch Kontingentierung erreichen.
www.stopp-masseneinwanderung.ch Die Vorgehensweise soll ein neuer Verfassungsartikel - Art. 121 a Steuerung der Zuwanderung - regeln. Veröffentlichung im Bundesblatt: 26. 7. 11 Ablauf der Sammelfrist: 26. 1. 2013 SVP sieht ihre Initiative bestätigt, als Kosovaren Schweizer mit Messern attackieren. Inseratausschnitt (25. 8. 11): |
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REFERENDUM (Volksabstimmung)
Bei den Referenden, die vom Gesetzgeber
verpflichtend abzuhalten sind unterscheidet man
* Ständemehr:
Ist die Mehrheit von Kantonen, deren Bürger für die Vorlage
gestimmt haben. Das Ergebnis der Volksabstimmung im Kanton wird als
Standesstimme bezeichnet. ** Verfassungsänderungen müssen sowohl das Volks- als auch das Ständemehr erreichen. |
| Auch ortsbezogene, öffentlich finanzierte Projekte
werden den Stimmberechtigten zur Entscheidung vorgelegt. Am 17. Juni 2007 konnten die Einwohner der Stadt Winterthur über die Errichtung einer öffentlichen Toilettenanlage im Stadtpark und die damit verbundenen Kosten von 360.000 Franken abstimmen. Fast 40 % der Stimmberechtigten beteiligten sich, davon befürworteten 52,7 % den Bau.
In den Kantonen Bern,
Schaffhausen, Solothurn,
Tessin, Thurgau,
Uri können Parlament und Regierung während ihrer
Amtsperiode abgewählt werden. Ein derartiger Wahlgang muss von einer
bestimmten Zahl von Wahlberechtigten per Unterschrift beantragt werden. |
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In Berlin brachte die Initiative PRO RELI genügend Unterschriften auf um einen Volksentscheid zu erzwingen. Am 26. April 2009 wurde abgestimmt. 612.000 Stimmen, ein Viertel der Wahlberechtigten 2,45 Mio. Berliner, hätte die Initiative benötigt, um ihr Anliegen, statt des bisher obligatorischen Ethikunterrichts einen |
| verpflichtenden, frei nach
der Konfession wählbaren Religionsunterricht einzuführen.29 % der Berliner
gingen zur Abstimmung, die benötigten Pro-Stimmen wurden nicht erreicht. |
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| Das Begehren Schluss mit Geheimverträgen - Wir Berliner wollen unser Wasser zurück (eingeleitet Juli bis Okt. 2010) kam am 13. 2 . 2011 auf 665.713 Stimmen (Beteiligung: 27 %; davon stimmten 98,2 % für den Antrag). | ||
Damit müssen alle bisher geheim gehaltenen Vereinbarungen, die beim Teilverkauf der Berliner Wasserbetriebe an RWE und Veolia getroffen wurden, offen gelegt werden. www.berliner-wassertisch.net In Bayern benötigt ein Volksbegehren die Unterschriften von 10 % der Stimmberechtigten.
Die erste Volksabstimmung
in Hamburg, die 18. auf deutscher
Länderebene, endete am 18. 7. 10 mit einer Niederlage der Regierung. Deren
Vorschlag für eine Schulreform wurde von den
Bürgern deutlich abgelehnt. Volksabstimmungen gibt es in Deutschland nur auf Länderebene. Das Grundgesetz erlaubt keine Instrumente der Direkten Demokratie. |
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EUROPÄISCHE UNION
| BÜRGERBEGEHREN (=Bürgerinitiative)
Bürgerinitiativen dürfen nur eingebracht werden, wenn sie sich auf
Bereiche beschränken, welche in die Zuständigkeit der Kommission fallen
und nicht gegen grundlegende Werte der EU verstoßen.
Ein erfolgreiches Bürgerbegehren benötigt mindestens 1.000.000
Unterschriften, gesammelt innerhalb von 12 Monaten, die aus einem Viertel der EU-Staaten kommen müssen. Drei Monate bleibt den Staaten, deren Bürger das Begehren
unterschrieben haben, Zeit zur Überprüfung der Unterschriften. |
| Am 18. September 2010 fand in der Slowakei die
siebente Volksabstimmung statt. Ihr Ergebnis war belanglos, die
Beteiligung blieb - wie bereits bei fünf vorangegangene Abstimmungen - mit
23 % bzw. 1 Mio. Stimmberechtigten unter der vorgeschriebenen Grenze von
50 %. Die Thematik war brisant, die sechs vorgelegten Punkte enthielten u. a. eine Reduktion der Parlamentsabgeordneten von 150 auf 100, eine Verringerung der parlamentarischen Immunität oder eine finanzielle Obergrenze für den Kauf von PKW für die Staatsverwaltung. 400.000 Unterschriften hatten Verfahren gestartet. Die einzige Volksbefragung, welche die 50 % Hürde übertroffen hat, hatte den EU-Beitritt der Slowakei zum Thema. |
POLITIK VOLKSBEFRAGUNG VOLKABSTIMMUNG GESETZGEBUNG
Die Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57) wandte sich im
November 2010 mit einem Inserat an die Kundschaft weiblicher Prostituierter:
Statistisch gesehen wird etwa jede siebte Prostituierte dazu
gezwungen. Sie ist ein Opfer von Menschenhandel, einer modernen