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BIOMETRIE  oder: "Schau mir in die Augen, Kleines"

Der Begriff steht für die Technik der Erkennung einer Person mittels ihrer persönlichen Charakteristika. Er ist aus zwei griechischen Wörtern zusammen gesetzt, aus bios für Leben und metron für Maß. Daraus ergibt sich, das die Biometrie die Wissenschaft der Körpervermessung an Lebewesen ist.

Von biometrische Erkennungsverfahren erwartet man:

·        Erhöhung der Fälschungssicherheit von Personalausweisen, Pässen und Dienstausweisen

·        Eindeutige Zuordnung von Personen zu diesen Identifikationsdokumenten

·        Unterstützung des Personals das den Zutritt  an Grenzen und Sicherheitszonen kontrolliert

·        Automatische Personenerkennung (durch Kameras) an Brennpunkten zur Prävention 

 

Biometrische Erkennungsverfahren
Biometrische Erkennungsverfahren gibt es seit vielen Jahren. Sie beruhen auf der Annahme, dass Personen eindeutige unveränderliche Merkmale besitzen, die sich zur Identifikation mit Hilfe elektronischer Verfahren nutzen lassen. Zu diesen Merkmalen gehören z. B. Fingerbild, Gesicht, Handgeometrie, Stimme, Unterschriftsdynamik, Iris und Augenhintergrund. Dabei unterscheidet man zwischen statischen Merkmalen (Fingerbild, Gesicht, Iris), die sich nur unwesentlich ändern, und dynamischen Verfahren (Stimme, Unterschrift), die ein aktives Handeln der Person bei der Identifizierung erfordern. Auch unterscheidet man die passive Erfassung, z. B. des Gesichts durch eine Kamera, an der man vorbeigeht, von der aktiven Erfassung, bei der die zu identifizierende Person etwas zu tun hat, wie den "richtigen" Finger auf den Fingerscanner zu legen. 

Auch in der Konfiguration des Ohrs, der Hautlinien in der Kniekehle oder im Muster der Temperaturverteilung des Gesichts sieht man Kriterien für Sicherheitstechnologien.  

Keine hundertprozentige Erkennung
Allen Verfahren ist gemeinsam, dass keine 100% Erkennung der Person möglich ist. Da sich jeder Mensch in wenigen Wochen regeneriert, unterliegen viele der biometrisch erfassbaren "unveränderlichen" Merkmale auch diesem dynamischen Veränderungsprozess. Dazu beeinflussen modische Veränderungen, aber auch Krankheiten oder bestimmte Lebensumstände das Wiedererkennen einmal erfasster biometrischer Merkmale. Pilotprojekte in Deutschland, in der EU und anderen Teilen der Welt haben gezeigt, dass gute biometrische Verfahren bei einem Großteil der Probanden eine gute Wiedererkennungsrate aufweisen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wie qualitativ hochwerte Ersterfassung, gute Benutzerführung und häufige Nutzung.

Körpermerkmale als "Passwort"
Im Gegensatz zur Benutzeridentifizierung über PIN oder Passwort bzw. über Gegenstände - zum Beispiel mit Hilfe eines Schlüssels oder einer Chipkarte - bietet die Biometrie eine echte Personenbindung. PINs, Passwörter und Schlüssel können vergessen, verloren, gestohlen oder weitergegeben werden - biometrische Merkmale hingegen nicht. Der Körper des Benutzers selbst wird damit zum Ausweis, zum biologischen Kennwort.
Durch die biometrische Benutzerauthentisierung kann somit die Gesamtsicherheit von Systemen erhöht und die Benutzerfreundlichkeit gesteigert werden, da das lästige Merken von PINs und Passwörtern entfällt.

Funktionsweise
Vor der Benutzung des eigentlichen Systems müssen zunächst einmalig die Referenzdaten erfasst und gespeichert werden. Während dieser Referenzdatenerfassung, auch Enrollment genannt, wird das biometrische Merkmal von Sensoren aufgenommen. Mittels einer Bildverarbeitung oder einem ähnlichen Verfahren wird daraus ein charakteristischer Datensatz (ein sogenanntes Template) erzeugt und als Referenzdatensatz gespeichert.
Bei der späteren Benutzung des eigentlichen Systems wird dann das biometrische Merkmal erneut aufgenommen und mit dem Referenzdatensatz verglichen. Wichtig ist auch, dass die Merkmale vom frühen Lebensalter bis zum Tode stabil bleiben.

Knapp die Hälfte der biometrischen Zugangskontrollen in Unternehmen verwenden die Identifikation mittels Fingerabdruck, sieben Prozent scannen die Handgeometrie, acht Prozent arbeiten mit Stimmerkennung, 22 Prozent mit Gesichtserkennung und zehn Prozent die Iris. Quelle: Unternehmensberatung Berger DE

 

Die Methoden im Vergleich
 

Fingerabdruck
Identifizierungssysteme, die den Fingerabdruck des Nutzers analysieren, leiten aus den Minutien (Struktur des Fingerabdrucks: endende Täler, Verzweigungen, Schweißporen)
Merkmale ab. Diese entstehen in der embryonalen Phase durch Zufallsprozesse und sind somit weitgehend unabhängig vom Erbgut. Derartige Systeme sind vor allem wegen der geringen Herstellungskosten attraktiv und finden hauptsächlich Verwendung in der Zugangskontrolle zu Rechnersystemen.
Menschen können genetisch bedingt, aufgrund handwerklicher Arbeit oder medikamentöser Nebenwirkungen eine schlecht identifizierbare Fingerstruktur haben. Für sie ist diese Identifikationsmethode ungeeignet.
12 Merkmale reichen für eine sichere Identifizierung. Infos z.B. auf
www.idencom.com

Achtung: Fingerabdrücke können - z.B. von Glasoberflächen - kopiert werden.

Fingervenen
Ein finger vein genanntes System identifiziert Personen durch scannen der Struktur der Blutgefäße in den Fingern. Das von Hitachi ursprünglich für die Sicherheitsanforderungen japanischer Banken entwickelte Verfahren eignet sich auch sehr gut als Diebstahlssicherung für Kraftfahrzeuge. In den Türgriff Bild Hitachi, das Lenkrad oder den Bordcomputer integriert, verwehrt es Unbefugten das Einsteigen in das bzw. die Inbetriebnahme des Fahrzeugs. Der Scanner erfasst die Wärmestrahlung, die von der Haut der Finger ausgeht. Diese ist in der Nähe von Arterien und Venen intensiver als in größerem Abstand zu den Blutgefäßen. Auch die Temperaturunterschiede zwischen den Fingerrillen sind messbar. Das dadurch entstehende Wärmebild wird vom Scanner als Infrarotstrahlung erfasst. Es ist bei jedem Menschen anders, weil die Blutgefäße nie exakt gleich verlaufen. Ein Terminal mit Venenerkennung kostet ca. 2.000,- €

Handgeometrie

  • Auch die Handgeometrie kann zur Zugangskontrolle verwendet werden. Der Benutzer legt seine Hand auf eine beleuchtete Glasfläche, die sicher in einem Gehäuse montiert ist. Das Spiegelsystem erfasst und wertet die Konturen der Hand, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind, aus. Die Kontur wird über die Parameter Länge, Breite und Krümmungen registriert und die relativen Positionen von Fixpunkten analysiert.
  • Die Identifikation über die Venenstruktur der Hand. Handvenenscanner gelten als fälschungssicher, denn die Handfläche weist besonders viele Gefäße auf. Die Methode funktioniert berührungslos, die Hand wird drei bis acht Zentimeter über dem Sensor gehalten. Infrarotstrahlung erzeugt ein aus mehreren Millionen Punkten zusammengesetztes Bild des Handflächengefäßmusters.
    Solch optische System ermöglichen eine
    schnelle Auswertung, sind sehr benutzerfreundlich, kosten jedoch etwa das Dreifache eines Fingerabdruck-Lesers.

Iris-Scanner
Sie identifizieren den Nutzer, indem sie eine hochauflösende Aufnahme der Iris analysieren. Aus der
Struktur des Gewebes, das die Pupille umgibt, werden die spezifischen Merkmale gewonnen. Durch den ranotypischen (während der Embryonalphase durch Zufallsereignisse ausgeprägten) Charakter der Struktur lassen sich sowohl Zwillinge als auch das linke vom rechten Auge einer Versuchsperson unterscheiden.
Anbieter + Bildausschnitt: www.byometric-iriserkennung.de





 
Auch die Form des Stirnknochens oder des Knies scheinen als biometrisches Merkmal einsetzbar.

Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol hat sich beim Iris-Scan gezeigt, dass viele Menschen Angst haben, in eine Vorrichtung hineinzusehen, die ihre Iris scannt. Sie befürchten - zu Unrecht - ihre Augen könnten Schaden nehmen.
Bei der schonendsten Erfassung wird die Augenoberfläche mit einer Digitalkamera fotografiert und rund 250 Messpunkte mit den vorliegenden Werten verglichen. Etwa 7.000,- € kostet die Installation eines derartigen Erkennungssystems für eine Türe.

Die Sicherheit aller Systeme ist nicht sehr hoch, sie können leicht getäuscht werden. Weit bessere Erkennungswerte erhält man durch eine Kombination von Chipkarte und biometrischer Identifizierung. Auf der Chipkarte ist ein Fingerabdruck als Vorlage (Template) gespeichert. Der Nutzer schiebt die Karte in ein Gerät ein, auf das er Zugriff haben will. Er drückt seinen Finger auf eine Sensorplatte in der Chipkarte. Dann führt die Karte einen Vergleich zwischen erfasstem Bild und Template durch. In Abhängigkeit vom Ergebnis dieses Vergleichs schickt sie einen Code an das Gerät. Anhand dieses Codes entscheidet das System, ob es dem Nutzer Zugang gewährt.

In den USA erfolgte der erste große Test für die biometrische Erkennungstechnik im Februar 2002. Die 71.000 Zuschauer der Superbowl, dem Finale der American-Football-Meisterschaft wurde gefilmt und einer Gesichtserkennung unterzogen. Das Ergebnis der Auswertung war die Identifizierung von 19 vorbestraften bzw. gesuchten Personen.

Als erster europäischer Flughafen (7/2001) ist jener von Reykjavik mit einem biometrischen System zur Gesichtserkennung ausgerüstet worden.

2007 stellten sich für einen Versuch im Mainzer Hauptbahnhof 200 Personen, die regelmäßig den Bahnhof frequentieren, zur Verfügung. Mittels der Aufnahmen von sieben Kameras wurde versucht, die Gesichter der Testpersonen wieder zu erkennen. Dafür wurden mehrere Merkmale - Mund , Nase, Kieferknochen, Augenhöhlen - verglichen, die auch dann eine Identifizierung ermöglichen, wenn eine Person sich eine Brille oder einen Bart zulegt.

Als praxistauglich hat sich das vom Unternehmen DMS (Digitale Mediensysteme www.digitale-medien.at) angebotene biometrische Erkennungssystem erwiesen. Die digitale Erfassung der gescannten Personen muss keine harten, sicherheitsrelevanten Daten liefern, sondern "begnügt" sich mit werbetechnisch

nutzbaren Informationen wie Kunden- bzw. Besucherfrequenz, Aufmerksamkeitsmessung (z. B. wer verfolgt den, über einen Monitor laufenden, Werbespot). Ebenso werden geschlechts- und alterspezifische Merkmale ausgewertet und für die Zielgruppenanalyse eingesetzt. Das ermöglicht eine Feinabstimmung der eingesetzten Werbespots bzw. Sendungsinhalte und verbessert deren Effizienz.
Bisher brachte DMS seine - von der französischen QUIVIDI entwickelte - biometrische Software + Hardware in Apotheken und Trafiken zum Einsatz. Das Einkaufszentren-TV (MALL SIGNAGE) könnte mit dem DMS-System seinen Programm optimieren.

 

Biometrische Verfahren überlistet

Das Computermagazin "c`t" und der japanische Kryptographie-Experte Tsutomu Matsumoto haben die Sicherheit von Biometrie-Systemen getestet. Dem Test wurden elf biometrische Zugangssysteme der neuesten Generation unterzogen.

Fingerabdruck-Scanner konnten zum Teil dadurch überlistet werden, dass die Tester Fettrückstände von Fingerabdrücken der Berechtigten auf der Sensoroberfläche durch Anhauchen reaktivierten. In anderen Fällen wurden die Systeme durch Fingerabdrücke getäuscht, welche die Zugangsberechtigten auf Trinkgläsern hinterlassen hatten. Diese wurden von den Experten auf einen Klebestreifen übertragen, mit dem sich das System zufrieden gab.
Es klappt auch mit Fingerabdrücken aus Gummi, die über den Finger zu ziehen sind.
 
Diese Täuschungsmöglichkeiten werden unterbunden, wenn der Fingerabdruck-Scanner mit einem System zur Lebend-Erkennung kombiniert wird. Das misst den Puls oder die Wärmeausstrahlung.

Der Gesichts-Scanner ließ sich von Fotos der Zugangsberechtigten täuschen.

Das besonders aufwendige Iris-Scanning-System wurde mit einem auf Tintendruckerpapier gesprühten Digitalfoto eines Auges überlistet.

Alle elf Systeme wurden geknackt.

 

Die EU-Kommission schlug auf Empfehlung der Internationalen Zivilluftbehörde (ICAO) dem EU-Ministerrat vor, in Visa- und Aufenthaltsbewilligungen für Nicht-EU-Bürger als biometrische Erkennungsmerkmale das Gesichtsbild und die Abdrücke von zwei Fingern zu speichern. Das Passfoto soll durch einen Chip ergänzt werden, der die Bilddaten speichert. An der Grenzkontrolle blickt man dann in eine Kamera und ein Computer überprüft, ob die beiden Bilder übereinstimmen. Damit der Computer die Bilder vergleichen kann, muss die Bildqualität sehr hoch sein. Die Lichtverhältnisse müssen sowohl auf dem gespeicherten Bild als auch bei der Aufnahme an der Grenze gleich sein. Eine Brille oder ein Hut verhindern den Abgleich. Auch der Gesichtsausdruck, den man bei der Grenzkontrolle macht, sollte mit dem im Pass gespeicherten übereinstimmen. Lachende Gesichter auf Passbildern wird es nicht mehr geben.

Eine Iris-Überprüfung ist nicht beabsichtigt, weil ein amerikanisches Unternehmen das Patent an diesem Verfahren besitzt. 

Im Herbst 2005 kamen in Österreich neue elektronische Reisepässe zur Ausgabe. Der ePass enthielt einen Chip mit  digitalem Foto. Seit 28. Juni 2009 müssen auch die Fingerabdrücke im Chip gespeichert sein.
Die Schweiz gibt seit 2006 Pässe mit digitalisiertem Foto aus, 2010 sind auch zwei Fingerabdrücke gespeichert.

Die Daten in den Chips werden mittels RFID ausgelesen.

Letzte Aktualisierung:  18. August 2013

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